Bohnental

Die Eule wacht über neuen Bücherbaum

Bericht in der SZ vom 09.10.2017 von Frank Faber
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Mit zwei Bänken soll der neue Bücherbaum zu einer Art Freiluft-Lesezimmer im Dorf werden und Scheuern so verschönern.
Wochenlang wurde im Bohnentaldorf Scheuern gerätselt. Passanten und Autofahrer, die auf der Rat-Tressel-Straße durch den Ort unterwegs waren, schauten ungläubig in Richtung der Heimstätte des Scheuerner Obst- und Gartenbauvereins (OGV). Da fehlt doch was, bemerkten sie. Vor dem Gebäude an der Ecke Schulstraße war die alte Kiefer von den OGV-Mitgliedern zwar gekappt worden, aber ein Reststamm, der einem überdimensionalen Zahnstocher glich, ragte weiterhin aus dem Boden. Warum denn das? „Wir waren nach einem Arbeitseinsatz am Samstag zu müde, um weiterzumachen“, scherzt der OGV-Vorsitzende Jürgen Schuh. Dem Baum mussten die Gartenbauer einen Rundumschnitt verpassen, weil die Äste über der Stromleitung hingen und die herunter fallenden Tannenzapfen und Nadeln ständig die Kanalschächte vollstopften. „Wir haben uns dann Gedanken gemacht, was wir mit dem Baumstumpf anstellen können“, sagt der stellvertretende OGV-Vorsitzende Martin Biwer. Scheuerns Ortsvorsteher Dietmar Lauck (CDU) hatte dann die passende Idee auf Lager: „Wir machen daraus einen Bücherbaum“. Da seine Ehefrau Ellen die katholische öffentliche Bücherei in Scheuern betreut, konnte Laucks Einfall ratzfatz in die Tat umgesetzt werden. Zur Fertigung des Freiluft-Bücherschranks wurde der Bliesener Kettensägenkünstler Andrej Löchel engagiert. „Wir haben ihm rund um den Stamm eine Arbeitsbühne aufgestellt“, sagt Schuh. Der Ortsrat machte finanzielle Mittel zur Dorfverschönerung locker und übernahm Löchels Honorar. Er schnitzte mit der heulenden Motorsäge aus dem oberen Teil des Kiefernstamms eine auf drei Büchern hockende Eule, die nun wachsam über das Dorf schaut. Schnell waren danach die drei Regale im Bücherbaum mit Lesestoff gefüllt. Kinderbücher lagern in der untersten Etage, damit auch die Jüngsten problemlos rankommen.
Der Bücherbaum wird inzwischen so gut genutzt, dass die Idee, die ihm zugrunde liegt, zum Selbstläufer wurde: Einfach schmökern, ein Buch mitnehmen, es wiederbringen oder behalten, ein anderes Buch einstellen. Und deshalb haben die Gartenbauer noch mehr vor. „Mit dem Aufstellen von zwei Bänken werden wir den Platz um den Bücherbaum noch gemütlicher machen“, kündigt Schuh die Gestaltung einer Art Freiluft-Lesezimmers im Dorf an. Überhaupt hat sich am OGV-Domizil viel getan. Für das zuvor ziemlich heruntergekommene Gebäude wurde Geld in die Hand genommen und es mit großem Arbeitsaufwand wieder auf Vordermann gebracht. Im Juni veranstaltete der Verein gemeinsam mit dem Landkreis den „Tag des Obstbaumes“ in Scheuern. „Als Ausgleich für die gekappte Kiefer haben wir einen Glocken-Apfelbaum gepflanzt“, sagt Vereinschef Schuh.



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